Über das Skulpturenensemble auf dem Moltkeplatz 

schrieb Manfred Schneckenburger am 04. Aug. 2007 die folgende

Stellungnahme

Unter den städtischen Freiräumen in Essen ist der Moltke-Platz eine rare Ausnahme. Er vereint in sich durch Grundriss und einseitige Randbebauung die Qualität eines echten Platzes und Charakteristika eines Parkes mit altem Baumbestand. Ist das ein begrünter Platz oder ein Park mit städtischem Zuschnitt? Vielleicht macht gerade Ambiguität das besondere dieses Areals aus, seine Prägnanz und - im besten Sinn - anheimelnde Ausstrahlung. 

Die acht Skulpturen, die der engagierte Galerist Hans-Jochen Krüper hier zusammen gebracht hat, tragen dem perfekt Rechnung. In ihrer strengen Anordnung vermeiden sie jede dekorativ gefällige Anbiederung an die umgebende Natur und fügen sich zur übersichtlichen Komposition einer Zweierreihe. Massiv aneinander gerückte Steinblöcke (Rückriem) ragen neben horizontal am Boden liegenden, im Verrotten auseinander fallenden Bleiummantelungen um einen Holzkern auf (Feuerberg). Manifestieren die Steinblöcke unverrückbare Beständigkeit, dann die Bleiverkleidungen über dem Holzkern Verfall: Ruinenromantik. Ein Dialog zwischen Dauer und Zeitlichkeit. In der gleichen Reihe hält ein Bronzeamboss (oder Altar) triptychinal Körperbahnen und -spuren des Künstlers fest (Breloh). Unmittelbar benachbart lagern wuchtige Zylinderrohre horizontal und stemmen sich schräg oder vertikal in die Höhe (Gräsel). Den Abschluss der Vorderfront bilden gerundete wie eckige Abmauerungen, deren bewegter Verlauf eine Brücke zum angrenzenden Zweckbau schlägt (Forster). Zwei organisch und drei architektonisch orientierte Skulpturen also! Die Anlage als Park und Platz könnte nicht präziser anklingen.

In der zweiten "Reihe" dann die Ikone des in ein rotes Hochrechteck gedrängten Baumes, mittig zwischen Beengung und Überlebensenergie - ein komplementärer Farbakzent zum umgebenden Grün (Friedmann). Nebenan ein Paar Eisenstelen, einseitig durch Wülste und Kerben der Schmiedung rhythmisiert (Nierhoff). Eine durch und durch kulturelle Form der Vertikalität, anders als der zeichenhaft eingezwängte Baum. Für sich steht, als Zeigefinger auf einer Verkehrsinsel, als Auftakt zum Park, eine ca. 10 m hohe, dünne Stele, die sich ebenso absetzt wie als Hinweis bewährt. Eine genaue urbane Akupunktur, im Kontrast zu den Platanenstämmen im Umfeld (Fritsch).

Ich kenne wenige derart stimmige, aussagekräftige Plastik-Ensembles im öffentlichen Raum. Anwohner, Passanten und Jogger haben es längst als Teil der örtlichen Identität angenommen. Um den Protest zu großen Worten zu steigern: Eine Auflösung dieses Ensembles geriete in die Nähe kultureller Barbarei.