Heinz Breloh (1940-2001)   Lebensgröße   1994


Sabine Peretzke:
Gedanken zur Wiederaufstellung des Kunstwerkes

anlässlich der Vernissage zur (Wieder-) Aufstellung der Skulptur „Lebensgröße“ von Heinz Breloh auf der Skulpturenwiese Moltkeplatz Essen am 13. März 2016





Sehr geehrte Damen und Herren,

vorab möchte ich Ihnen herzliche Grüße von Herrn Bomheuer (1) überbringen.

"Wir haben Angst",

das scheint dieser Tage das Mantra der Deutschen zu sein.

Die ständige Zitation dieser drei Worte sinkt in die tieferen Bewusstseinschichten ein und richtet dort den Schaden an, dessen Auswirkungen wir im Moment im öffentlichen Raum erleben.

Flüchtlinge strömen in unser Land, Terroranschläge bedrohen unsere Traumreisen, Machtspiele in der wirtschaftlichen Interdependenz wirken sich auf unsere Einkommen aus. Im Netz augenblicklicher Gegebenheiten gibt es überstürzte Handlungen, Abwehrreaktionen, Gewalt: die German Angst ist zurück.

Sogar in die deutsche Sammlerseele sickert sie hinein. Dies haben wir erst kürzlich am Beispiel der Philharmonie erfahren müssen. Die Skulpturen "Ganz Große Geister" (2) wurden in Sicherheit gebracht.

Dass wir nun hier stehen stellt allerdings eine gänzlich andere Situation dar. Eine die hoffen lässt.

Seit Anfang des letzten Jahres beschäftigten wir uns mit der Neuordnung der vertraglichen Basis zur Aufstellung der Skulptur Lebensgröße auf dem Moltkeplatz. Von Angst kann während dieses Prozesses keine Rede sein.

Die Skulptur Lebensgröße des Künstlers Heinz Breloh sollte auf dem Moltkeplatz zu sehen sein. Alle Beteiligten, die Erbengemeinschaft Breloh, der Verein Kunst am Moltkeplatz und die Stadt Essen haben in konstruktivem Miteinander ein Ergebnis erzielt. Die Skulptur ist zurück. Der Angst Mut entgegenzusetzten, Konflikte durch achtsame Verhandlungen zu lösen, aufeinander zugehen bringt Erfolge.

Heinz Brelohs Lebensgröße wird an diesem Ort wieder ihre Kraft entfalten. Sie wird irritieren, erstaunen, überraschen. Sie stellt etwas mit der Wahrnehmung des Betrachtenden an. Gerade so wie es alle performativ intendierten Werke vorhaben. Dass die Erfahrungen des Werkes mit dem Betrachter und die Erfahrung des Betrachtenden mit dem Werk möglich werden, ist nun gesetzt und wird allen guttun: dem Werk Heinz Brelohs, dem Verein und der Stadt Essen.

"Wir trauen uns Kunst" ist ein besseres Mantra.


08.03.2016

Sabine Peretzke




Sabine Peretzke ist Koordinatorin für Kunst im Öffentlichen Raum der Stadt Essen 


Anmerkungen:

(1):
Der Beigeordnete Andreas Bomheuer ist Kulturdezernent der Stadt Essen

(2): siehe hierzu zwei WAZ-Artikel vom 18. Feb. 2016 und 19. Feb. 2016.



Zur Skulptur "Lebensgröße" auf dem Moltkeplatz in Essen klicken Sie hier.