Die Auferstehungskirche in Essen-Huttrop wurde 1929 von dem berühmten Architekten und Kirchenbaumeister Otto Bartning erbaut. Geschichtlich knüpft Bartning an Form und Funktion von Rundkirchen an, die als Tauf- oder Begräbniskirchen dienten.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Bauwerk erhebliche Schäden, die in den folgenden Jahrzehnten behoben werden konnten.
1974 wurde der Essener Architekt Wolfgang Schwartz mit einem solchen Projekt beauftragt, bei dem auch der spärliche Straßenraum zwischen Kirche und Gemeindehaus als Standort für eine moderne Skulptur eingeplant war. - Entwurf und Ausführung dieser Arbeit wurden mir anvertraut.
Es ist schwer, für einen abschüssigen Straßenraum, der am oberen Ende durch ein epochales Bauwerk gekrönt ist, eine Skulptur zu erfinden, die in Material, Form und Funktion sich in die Gegebenheiten des Raumes integriert, im Sinnbezug aber zwischen Bauwerk und Gemeindehaus einen eigenen Beitrag leistet. Das erfordert neben einer künstlerischen Handschrift die Einordnung in den Kontext des Ganzen. Das aber führt zum genauen Studium von Material und Konstruktion, also zum Werkstoff als Ausdrucksträger.
Das postmoderne Bauen mit industriell gefertigten Materialien und Halbzeugen hat mich seit Beginn meiner Tätigkeit auf den Begriff der "Funktionsskulptur" gebracht, um die vielfältigen Verflechtungen von Kunst und Technik für die Kunst im öffentlichen Raum fruchtbar zu machen.
Ich habe daher auf das verdeckte Stahlskelett der Kirche mit Rohrformen aus blankem Edelstahl geantwortet. Es entstand eine Korrespondenz zwischen Rund und Rund und kreisenden Aufwärtsbewegungen: so ist die Skulptur die vermittelnde Form zwischen abwärts liegendem Gemeindezentrum und der darüber aufragenden Rundkirche geworden. Der Standort hierfür wurde durch einen Betonsockel geschaffen, - mitten zwischen aufwärts und abwärts führenden Treppen und Wegen zwischen der Kirche und dem Gemeindehaus.
Auf diese Weise ist die Skulptur zu einem wegweisenden und sinngebenden Zeichen geworden. Aus der Horizontalen heben sich stufenartig Volumina und Module kreisend aufwärts und enden in der letzten Form himmelwärts.
Die Skulptur integriert sich in das Kirchspiel: zunächst einmal durch ihren äußeren Bewegungsablauf, der dem Zentralbau ähnlich ist. - Darüber hinaus verweist sie propädeutisch vom Äußeren der Kirche auf das Innere: unter dem höchsten Raumpunkt, der Lünette, steht das Taufbecken umgeben von zahlreichen christlichen Sinnzeichen. Taufe und Auferstehung schließen den theologischen Sinnkreis. Architektur und Skulptur sind die Medien, die diese Botschaft lesbar machen.
Weitere Werke von Friedrich Gräsel im öffentlichen Raum in Essen:
Hannover Tor 1978/1981, aus geglühtem Edelstahl, auf dem Moltkeplatz etwa 500 m südwestlich von der Auferstehungskirche (Kartenausschnitt Moltkeplatz zur Auferstehungskirche - Route zeigt den Rückweg; Koordinaten: 51 26 47,27 N 7 01 24,84 E); sowie
Edelstahl-Plastik "Schiffsketten" 1972; im Außenbereich des Museum Folkwang, westlich vom Moltkeplatz, Fußweg etwa 2.200 m (Kartenausschnitt Moltkeplatz zum Museum Folkwang, Koordinaten: 51 26 29,64 N 7 00 12,51 E); die Skulptur ist zweiteilig, 120 x 120 x 280 cm und 120 x 120 x 490 cm. Der Bereich des Museums Folkwang ist das südliche Ende des mit blauen Quadraten markierten Kulturpfades der Stadt Essen.
Weblinks: Auferstehungskirche ; im Verzeichnis der Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft e.V. ; in Wikipedia
Als Frühwerk des bekannten Architekten und Kirchenbaumeisters Otto Bartning entstand 1910 die denkmalgeschützte Kirche der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche Essen SELK (SELK im Verzeichnis der Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft e.V., Otto Bartning in Wikipedia) am Moltkeplatz etwa 600 m südwestlich von der Auferstehungskirche (Kartenausschnitt Moltkeplatz zur Auferstehungskirche - Route zeigt den Rückweg).
Hannes Forsters Skulptur auf dem Moltkeplatz zeigt mit seiner Längsachse auf das SELK Kirchengebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

